Diastema
Das Diastema ist der Raum zwischen den Schneide- und Backenzähnen. Dort befinden sich die Hengst- und Wolfszähne.

Im Unterkieferbereich, wo das Trensengebiss aufliegt, wird das Diastema Lade genannt. Immer wieder kommt es im Bereich der Lade zu Quetschungen oder Schwellungen und ulzerösen Veränderungen der Schleimhaut, die auch durch Gummigebisse hervorgerufen werden können. Auch der Maulwinkel ist in die Untersuchung einzubeziehen. Hier sind oft Spuren unsachgemäßer Zügeleinwirkung zu erkennen, was von einfachen Quetschungen bis zu tiefen Geweberissen reichen kann. Auch sind hier Melanome nicht selten. Häufig auftretende Exostosen im Bereich der Unterkieferlade (Knochenfalz vor dem 6er) sind ebenfalls auf unpassende Gebisse zurückzuführen.

Hengstzähne sind als Kampfzahn bei den männlichen Tieren physiologisch immer vorhanden. Ca. 20 Prozent der weiblichen Tiere weisen ebenfalls Hengstzähne auf. Somit kann von einer pathologischen Oligodontie von Hengstzähnen nicht ausgegangen werden. Hengstzähne können sowohl durch die Schleimhaut durchtreten als auch versteckt vorkommen. Blinde Hengstzähne sind oft störend, da sich in diesem Raum das Trensengebiss bewegt. Bei männlichen Tieren müssen sie von der Schleimhautkappe befreit, bei weiblichen Tieren in vielen Fällen komplett entfernt werden. Wenn die Extraktion von Hengstzähnen notwendig wird, ist dies häufig ein schwieriger chirurgischer Eingriff, da Hengstzähne meist eine sehr lange Wurzel aufweisen.

Der Wolfszahn (Dens lupus) ist ein Relikt eines siebten Backenzahnes ohne Mahlfunktion. Er kommt rasseabhängig bei bis zu 50 Prozent der Population vor. Wolfszähne findet man sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer.

Für das Training eines Pferdes am problematischsten dürften die so genannten blinden Wolfszähne sein, die nicht durch die Schleimhaut brechen. Bei diesen meist sehr kleinen Zähnen drückt das Trensengebiss die Schleimhaut schmerzhaft gegen den darunter liegenden Zahn. Wolfszähne kommen auch als Milchwolfszähne vor, sodass eine Extraktion beim 6 Monate alten Pferd keine Garantie dafür ist, dass bei Ausbildungsbeginn keine Wolfszähne vorhanden sind. Es empfiehlt sich aus praktischen Gründen ohnehin, Wolfszähne im Alter von ca. 2 oder 3 Jahren zu ziehen, weil erst dann die 6er als Widerlager für die chirurgischen Instrumente (z. B. für den Beinschen Hebel) dienen können. Die Extraktion der Wolfszähne sollte unbedingt vor Trainingsbeginn erfolgen, um eine negative Erfahrung des jungen Pferdes durch schmerzhafte Gebisseinwirkung auf die Wolfszähne zu vermeiden.