Schneidezähne
Die Schneidezahnproblematik gliedert sich in drei Hauptaspekte: 1. Abweichung der Schneidezähne von der physiologischen Lage der Anzahl und der Form, 2. Erkrankung der zahnumliegenden Gewebestrukturen und 3. sonstige Schneidezahnerkrankungen und –veränderungen, hierunter sind die Folgen des Fehlverhaltens (Koppen und Wetzen), die Zahnchirurgie (Zahn- und Kieferfrakturen und –extraktionen) sowie als Sonderform der Schneidezahnerkrankung die EORTH eingeschlossen.

Ein Vorbiss ist eine rostro-kaudale Fehlstellung, bei der die Schneidezähne des Oberkiefers unphysiologisch weit über die Unterkieferschneidezähne hinausragen.

Der Rückbiss, bei dem die Schneidezähne des Oberkiefers direkt über oder hinter den Unterkieferschneidezähnen liegen.

Die Unterzahl der Schneidezähne wird Oligodontie genannt, die echte Überzahl Polyodontie, Probleme des Milchzahnwechsel im Sinne einer unechten Überzahl Pseudopolyodontie und das Auftreten überzähliger Zähne, die von der Bauart her nicht zu den Schneidezähnen gehören, heterotrope Polyodontie.

Jede Anpassung des Gebisses hat die Wiederherstellung der Normokklusion zum Ziel. Der mangelnde Abrieb (Abrasion) der Schneidezähne wird durch die heutigen Haltungsbedingungen und die nicht mehr naturgemäße Ernährungsweise der Pferde verursacht. Entwicklungsgeschichtlich ist das Pferd ein Steppentier, d.h. silikathaltige Pflanzen wie harte, gelbe Gräser und Gestrüpp bildeten die physiologische Nahrungsgrundlage. Durch Verbiss und Konsum dieser Pflanzen war ein gleichmäßiger Abrieb aller Zähne mit dem Nachwachsen (bis zum 15. Lebensjahr ca. 2 3 mm im Jahr) bzw. Herausschieben der Zähne aus dem Kiefer gegeben.

Bei der Okklusionsverbesserug wird eine Normokklusion angestrebt, die als ausbalancierte, gleichmäßige Druckbelastung der Okklusionsflächen aller Zähne definiert wird.